Hans Erni wurde 1909 als drittes von acht Kindern in Luzern geboren. Nach der Schulzeit und Berufsausbildungen zum Vermessungstechniker und Bauzeichner, besuchte er die Kunstgewerbeschule Luzern, dann die Académie Julian in Paris (wo er erstmals einen Kunstpreis gewann) und Kurse an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin.
Mehrere Aufenthalte in Paris — Hans Erni arbeitete damals unter dem Pseudonym «françois grèques» — und Kontakte mit Künstlern wie Arp, Brancusi, Calder, Kandisky, Mondrian und Moore beeinflussten seine Malerei, doch den nachhaltigsten Eindruck auf seine künstlerische Entwicklung hinterliessen Pablo Picasso, Juan Gris und Georges Braque, die grossartigen Meister des Kubismus.
«Mädchen», 1957, Kugelschreiber auf Papier, 18.5 x 15.2 cm
Es folgten erste öffentliche Arbeiten (wie das Fresko «Die drei Luzerner Grazien» im Bahnhof Luzern von 1935), Einzelausstellungen und Kunstpreise. Tiefgreifende Impulse für sein künstlerisches Wirken fand Erni häufig bei seinen Studienreisen und Aufenthalten im Ausland: Er lebte in verschiedenen Ländern Europas und bereiste Mauretanien, Guinea, Senegal, den Niger und Somalia, dann Russland, Amerika und Indien sowie Japan, China und Korea.
Das Hauptwerk dieses Künstlers bilden die unzähligen Gemälde, Fresken, Lithographien, Radierungen, Mosaiken und Tapisserien, die nicht selten im privaten oder öffentlichen Auftrag entstanden (u.a. CIBA, Nestlé, Winterthur, Rolex-Foundation, SRG, PTT, ETH, Ethnographisches Museum Neuenburg, MUBA, SWISSAIR, UNO, UNESCO, IOC, ICAO sowie mehrere Schulen, Hotels, Schweizer Banken und Industrieunternehmen).
«Hommage à Jean-Jacques Rousseau», 1967,
Keramik am Gebäude der «Grands Magasins La Placette» (heute Manor),
rue de Coutance, Genf (Ansichtskarte, ca. 1968, big)
Zu seinen berühmtesten Arbeiten zählen natürlich auch die eindrucksvollen Wandbilder: das fünf Meter hohe und 100 Meter lange Fresko für die Schweizerische Landesausstellung von 1939, vier Wandbilder zur Weltausstellung 1958 in Brüssel (Serie «La conquête du temps» im Schweizer Pavillon und «In Health there is Freedom» im Auftrag der UNO), dann das Fresko im Auditorium des Hans Erni-Museums mit dem Titel «panta rhei — alles fliesst» und das zwölf Meter lange Wandbild «Fluss der Entwicklung» im Auftrag der Heureka 1991.
Nicht zuletzt ist Hans Ernis Kunst durch die Plakate einer breiten Öffentlichkeit bekanntgeworden: Dem Plakat für die Jugendherbergen von 1929 folgten rund 270 weitere, z.T. prämierte Arbeiten. Seine vielbeachteten, meisterhaften politischen Plakate zeugen von einem steten, nie verhehlten Engagement.
«Aristoteles und Muse», 1963, Tusche auf Papier, 30.4 x 24.3 cm (Blatt)
1949 gewann Hans Erni erstmals den PTT-Wettbewerb zur Gestaltung einer Briefmarke (Pro Aero). Seitdem schuf er Entwürfe zu fast 90 Wertzeichen, hauptsächlich für die Schweiz, das Fürstentum Liechtenstein und die UNO, wobei mehrere dieser Kleinstgrafiken international ausgezeichnet wurden.
Das überwältigende Werk Ernis umfasst zudem Skulpturen und Keramiken, Arbeiten an Bühnenbildern und Kostümen für Theater und Oper, selbst Banknoten sowie eine Etikette für den «Château Mouton Rothschild» von 1987 tragen seine Signatur. Ernis ganz besondere Liebe gilt dem Kulturgut «Buch», und so hat er bis heute rund 200 Sachbücher, Enzyklopädien und literarische Werke illustriert. Seiner ersten Medaille (50 Jahre Circus Knie, 1969) folgten 27 weitere edelmetallene Kunst-Stücke — das zweite Thema von «Kunst im Kleinen».
Karl Bühlmann, Geächtet — geachtet, 1997, Verlag Hans Erni-Stiftung,
eine Dokumentation zur Geschichte des Hans Erni-Museums
Ernis Kunst wurde über die Jahrzehnte an unzähligen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, sie hängt in Museen oder ist Teil privater Sammlungen. Damit seine Arbeit möglichst vielen Menschen zugänglich bleibt, erfolgte im Jahre 1977 die Gründung der Hans Erni-Stiftung, und 1979, zum siebzigsten Geburtstag des Künstlers eröffnete Bundespräsident Dr. Hans Hürlimann feierlich das Hans Erni-Museum im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. Dieses Haus dient nicht nur als Ausstellungsgebäude, es ist vielmehr Ort zwischenmenschlicher Begegnung, der Rahmen für Vorträge und Diskussionen, eine von Kunst geprägte Denk-Stätte.
Hans Ernis künstlerisches Schaffen und menschenfreundliches Wirken wurden mehrfach gewürdigt, u.a. mit dem «Grand Prix Europa — Arts plastiques» (1982), der UNO-Friedensmedaille (1983), dem Academy's Award «Sports Artist of the Year» der U.S. Sports Academy in Daphne/AL (1989), einer Auszeichnung vom Schweizerischen Olympischen Komitee (1991) und der Goldmedaille des Internationalen Olympischen Komitees (1992). Seine Heimatstadt ehrte ihn 1984 mit der «Goldenen Nadel der Stadt Luzern», und 2004 verlieh ihm Stadtpräsident Urs W. Studer das Ehrenbürgerrecht der Leuchtenstadt.
das aufschlussreiche, üppige Werk über Hans Erni als Mensch und
Bürger:
Karl Bühlmann, Zeitzeuge Hans Erni —
Dokumente einer Biografie von 1909
bis 2009,
Verlag Neue Zürcher Zeitung/NZZ Libro, ISBN 978-3-03823-505-7
Anfang 2009 ehrte Alt-Bundesrat Adolf Ogi den Künstler und Humanisten mit dem Swiss Award, und am 7. August 2009 dankte der (ebenfalls hundertjährige) Schweizer Briefmarken-Händler-Verband Hans Erni mit der «goldenen Taube» für sein Lebenswerk: «Seine Briefmarkenentwürfe begeistern seit 1949 nicht nur Sammler, sondern erfreuen alle, die gerne schöne Marken verwenden. Die Mitglieder sind besonders stolz, dass Hans Erni der erste Preisträger der „goldenen Taube” wurde» (aus: Swiss Stamp Show, Rapperswil-Jona, 2009).
(aus: Ghidelli/Erni, «Kunst im Kleinen», 1995; 2009 ergänzt und aktualisiert)